Das Versteck am Strand
1. Am Meer
Clara und Paul haben es endlich geschafft. Urlaub!! Sie sind am Meer angekommen. Die Sonne scheint, die Möwen rufen und der Wind geht leicht.
Sie machen einen Ausflug. Mit dem Cabrio fahren sie nach dem Frühstück los. Am Ende der Insel soll es einen alten Leuchtturm geben. Den wollen sie sich mal anschauen und einen Strandspaziergang dorthin machen. Einmal zum Leuchtturm und zurück.
Ein Parkplatz ist schnell gefunden. Nicht viel los im Spätsommer. Die vielen Familien sind schon alle abgereist.
Barfuß am Strand, die Wellen umspülen ab und wann ihre nackten Füße, laufen sie Hand in Hand gemütlich los. Der Leuchtturm ist schon von weitem gut zu sehen.
Clara schaut immer mal, was da so von den Wellen an den Strand angespült wurde. Schöne Muscheln, Steiner, oder auch mal ein kleiner Seestern oder ein toter Krebs. Plötzlich bleibt sie stehen. Da leuchtet etwas golden aus dem Sand. Es scheint eine Kette zu sein mit kleinen Gliedern. Clara versucht sie aufzuheben. Sie steckt aber ganz schön fest, so dass sie sie etwas ausbuddeln muss. Ganz schön groß!! Es ist wie ein Amulett. Sie reibt den Sand ein wenig ab. Es scheint schon recht alt zu sein. Das sieht aus als lässt sich das Amulett sogar öffnen. Es klemmt erst etwas aber gemeinsam mit Pauls Hilfe schaffen sie es, den kleinen Hebel zu drücken, so dass das Amulett aufgeht. Auf der einen Seite befindet sich ein alten Foto und auf der anderen Seite ein ganz klein zusammengefaltetes Papier! Spannend!!
Sie beschließen, sich das nachher in Ruhe anzuschauen, wenn sie wieder zu Hause sind. Jetzt wollen sie erst einmal ihren Spaziergang zum Leuchtturm fortsetzen.
2. Weg
Sie wandern den Weg zum Leuchtturm hinauf. Von den Dünen sieht man die Wellen glitzern.
Was für ein seltsamer Fund. Und was es wohl mit dem Zettel auf sich hat?
Sehr ruhig heute in den Dünen. Wenig Wind, wenige Wanderer.
Clara hält das Amulett in der Hand. Sie unterhalten sich über dies und das.
Irgendetwas juckt Paul plötzlich an der Schulter. Er kratzt sich kurz, aber jetzt juckt es im Nacken! Er dreht sich mit dem Nacken zu Clara, damit sie sich das mal ansieht. Sie fährt mit der Hand über die Stelle, aber da ist nichts Auffälliges.
Da zwickt etwas Clara an der Hand, ein Stich! Vor Schreck lässt sie das Amulett fallen. Ein großer Käfer schnappt es sich und läuft davon! Was war das denn?
3. Spuren
Clara und Paul schauen sie verdutzt an. So ein Mist. Jetzt war das Amulett weg. Sie wollten doch später den Inhalten genauer unter die Lupe nehmen. Sie schauen sich nach dem Räuber um. Doch nichts ist zu sehen.
Doch da! Clara entdeckt seltsame Fußabdrücke im Sand. Die sehen noch sehr frisch aus und ganz anders als die anderen Fußabdrücke und Schuhabdrücke. Sie beschließen diesen Spuren mal nach zu gehen.
Manchmal sind die Spuren schon etwas von den Wellen weggewaschen, aber sie können ihnen ganz gut folgen. Nach einer leichten Kurve führen die Spuren Strandaufwärts und enden dann in einer Ansammlung von Strandkörben. Gemeinsam suchen sie die Strandküörbe genau an. Neben einem Strandkorb ist findet Paul eine Art Müllsammlung. Er ruft Clara. Sieht aus als hat hier ein Tier eine Art Höhle oder Nest angelegt. Mit spitzen Fingern und den Fußspitzen untersuchen sie den Haufen genauer. Unter Papier und Plastiktüten und Dosen finden sie eine Strandtasche versteckt. Sie hat ein Loch und sieht schon ziemlich mitgenommen aus. Clara klappt den Deckel auf und schaut hinein.
Gefunden!! Da ist es!! Das Amulett!! Das unbekannte Tier musste es hier versteckt haben. Diesmal steckt es Paul in seine Jackentasche und zieht den Reißverschluss zu, damit es nicht wieder verloren geht. Es scheint nämlich sehr begehrt zu sein!
4. Zum Strand
Endlich kommen sie dazu, den Zettel im Amulett zu untersuchen.
“Hier steht: DAS LETZTE — das nächste Wort kann man nicht lesen — DER — jetzt kommt ein Bild von irgendwas — MIT — irgendwas steht da — LETZTEN GROSSEN — jetzt kommt ein Bild einer Sternschnuppe — ZUSAMMENZÄHLEN UND ZUM STRAND GEHEN!”
Sie versuchen, die unleserlichen Wörter zu entziffern, aber es ist unmöglich. Der Text muss feucht geworden sein und die Schrift ist vollkommen zerlaufen.
“Das erste Bild, das könnte ein Tier sein. Mit ein wenig Fantasie, jedenfalls.”
“Ja, eine Katze, ein Biber oder sowas.”
Sie nehmen eine durchsichtige Folie und versuchen, die Umrisse der Figur nachzuzeichnen.
“Eine Ratte? Ja, das muss es sein!”
“Ratte und Sternschnuppe? Wie soll das zusammenpassen?”
“Aber es ist eindeutig eine Ratte!”
“Ja, das ist klar. Aber was bedeutet sie? Und was sollen wir am Strand tun?”
Sie rätseln, kommen aber nicht weiter. Irgendwann legen sie den Zettel enttäuscht zur Seite.
Viel später.
Plötzlich springen sie gleichzeitig auf!
“Es ist keine Sternschnuppe…”
“…sondern ein Komet!”
“Den finden wir schon! Sollte jetzt leer sein!”
Schnell machen sie sich auf zum Strand.
5. Versteck
Es ist mittlerweile schon ein wenig dunkel geworden. Das macht aber nichts, dann gibt es wenigstens nicht so viele Zuschauer bei ihrer Suche am Strand. Sie hätten sich noch eine Taschenlampe mitnehmen sollen. Wer weiß, wie lange es dauern würde.
Die Strandkörbe sind zum Glück ja weitgehend nach Nummern sortiert, so dass besagte Nummer recht schnell gefunden ist, auch wenn es ganz am Ende des Strandes ist. Die Himmelsleiter liegt weit zurück. Sehr still ist es und einsam. Die Dünen hinter ihnen, das Meer mit aufsteigender Flut vor ihnen. Doch was nun? So richtig wissen sie gar nicht, nach was sie eigentlich suchen.
Sie schauen sich den Strandkorb ganz genau an. Clara zieht zur Sicherheit mal die Fußablagen raus. “Da ist ein Loch, Paul!!” Unter dem Strandkorb ist ein sehr ominöser Abgang. Komisch, dass den noch niemand gesehen hat. Paul schaut auch nach, aber er sieht auch nichts. Nur Clara kann ihn sehen.
“Wahrscheinlich, weil Dich dieses Vieh gebissen hat?”, meint Paul. Gemeinsam unter Claras Anleitungen rücken sie den Strandkorb zur Seite, so dass sie gut den Abgang erreichen kann.
Paul setzt sich derweil in Strandkorb 4026 und macht es sich gemütlich. “Viel Spaß Clara! Ich bin gespannt, was Du finden wirst. Ich warte hier auf Dich. Wahrscheinlich mache ich erst einmal ein Nickerchen. Das ganze Grübeln hat mich schon wieder sehr müde gemacht!”
Clara dagegen nutzt das Licht ihres Handys und macht sich gespannt auf den Weg nach unten. Sie kann Paul schon leise schnarchen hören ….
6. Auszeit
Paul ist eingeschlummert. Ein Nickerchen in Ehren…
Der Wind, die regelmäßige Bewegung der Wellen, wie sie an den Strand schwappen machen müde.
Strandkörbe zu zählen ist nicht nötig. Oder Schäfchen.
Schön hier.
Seine Gedanken driften ab im Schlaf. Wo endet das Meer, was ist genau auf der anderen Seite?
Und was lebt alles unter Wasser dort draußen? Wale, die doofen Delfine, Heringe, Krabben.
Die Königskrabbe und ihr Kind. Cheech und Chong. Was wohl gerade im Kino kommt? Strandstraße. Paulstraße gibt auch, gerade daneben. Und das Raffelhüschen. Der Raffelhüschen?
Morgens aufstehen und ein leckeres Frühstück mit Milch und Nutella…
Später was für Zwischendurch. Ist der Kühlschrank gut gefüllt?
Und Prinzenrolle… Hmmm Prinzenrolle.
Dann fällt er durch ein Loch im Boden.
7. Im Tunnel
Paul kommt recht unsanft auf dem sandigen Boden auf. Er ist ganz schön grimmig! Das war so ein schönes Nickerchen und nicht nur, dass er daraus durch den Fall abrupt aufgeweckt wurde, sondern auch, dass er jetzt hier im Dunkeln auf kaltem sandigem Boden sitzt. Er will seine Träume von Prinzenrolle und Milch wieder zurück!! Was ist das überhaupt mit diesem Amulett??!! Ob Clara wohl auch hier ist?
Gerade als er den Gedanken zu Ende gedacht hat, sieht er einen kleinen Lichtschein ganz am anderen Ende des Sandtunnels. “Hey, Clara, bist Du das?” Der Lichtschein wird stetig größer. Aber eine Antwort hat er nicht bekommen. Er ruft noch mal, diesmal lauter.
Der Lichtstrahl stockt und richtet sich auf. “Paul!! Wie kommst Du denn hierher? Ich dachte, Du bist im Strandkorb?” “Tja”, sagt Paul, “da wäre ich auch viel lieber geblieben! Aber das ist eine andere Geschichte.” “Gut, dass Du da bist!”, sagt Clara. “Ich wollte Dich schon gerade holen und war auf der Suche nach dem Eingang, den ich genommen habe. Der scheint irgendwie weg zu sein. Aber hier gibt es ganz viele Gänge. Und ich habe etwas entdeckt!! Das wollte ich Dir zeigen.”
8. Simsalabim!
Es gibt viele Gänge, aber alle führen zu verschlossenen Türen. Bestimmt ein Dutzend Mal versuchen sie, eine Türe am Ende eines Gangs zu öffnen, aber bestimmt ein Dutzend Mal ist die Türe abgeschlossen. Sie versuchen durch die Schlüssellöcher zu spähen, aber dahinter ist alles dunkel.
Gerade als sie aufgeben wollen — aber wie sollen sie jetzt hier herauskommen? — stellen sie etwas fest: in einer Türe steckt ein Schlüssel!
Natürlich von der falschen Seite, aber Paul hat eine Idee. Er prüft kurz, wie groß der Spalt zwischen Türe und Boden ist und fragt Clara: “Hast Du noch den Flyer von heute Mittag dabei?”
Clara weiß zwar nicht, was eine Werbung für Ausflüge mit den Adler-Schiffen jetzt nützen soll, aber sie gibt Paul den Plan.
Paul faltet ihn auf und schiebt ihn so weit wie möglich unter der Türe durch, sodass nur noch ein Zipfel herausschaut.
Jetzt versteht Clara, schraubt ihren Kugelschreiber auseinander und gibt Paul die Mine.
Ein wenig später und nach ein paar vorsichtigen Bewegungen mit der Mine im Schlüsselloch macht es “kling” und der Schlüssel fällt auf der anderen Seite auf das Papier.
Paul zieht es vorsichtig zurück und sie haben den Schlüssel!
Paul prüft alle Türen, aber nur die, in der eben noch der Schlüssel steckte, lässt sich aufschließen.
Sie stehen in einem Raum, der wie ein kleiner Maschinenraum aussieht. Ein Motor der über Zahnräder ein Förderband antreiben soll — vermutlich für Sand, denn es hat große Taschen in denen noch Reste von Sand vorhanden sind.
“Klar, so wurden hier die Räume ausgebaggert! Irgendwo muss der Sand ja hin geräumt worden sein. Wir müssen über das Band klettern und sollten so nach draußen kommen.”
9. Botschaft
Clara ist noch nicht so glücklich mit dem Gedanken, dass sie jetzt einfach hier verschwinden sollten. Die Botschaft im Amulett hatte sie ja eigentlich zu dem Strandkorb gelotst. Nur, nach was suchten sie eigentlich hier?? Das ist wie bei den Exit Puzzlerätseln, die sie beide mal zusammen gemacht hatten. Man wusste auch nicht wirklich, nach welchen Rätseln man eigentlich sucht. Ein bisschen frustrierend! Aber gut, vielleicht sollten sie die Suche einstellen?!
Gerade als Clara, Paul über das Band nachklettern will fällt ihr Blick in eine der Taschen. Da liegt ein Funkgerät, oder was auch immer es sein soll. Sie ruft Paul zu, damit er noch einmal zurückkommt und gemeinsam fischen sie das Gerät aus der Tasche. Unten ist ein großer Button “Play”, da drückt Clara drauf. Eine Stimme ertönt: “Herzlichen Glückwunsch! Sie scheinen das Amulett gefunden zu haben und alle Hindernisse, Überraschungen und Hürden gut überstanden zu haben. Sie scheinen nicht so leicht aufzugeben. Endlich bin ich frei und kann wieder zurück in das offene Meer! Sie müssen jetzt nur noch auf den linken grünen Knopf drücken und dann bin ich frei. Die Erinnerungen an die heutigen Ereignisse werden Ihnen morgen früh wie ein Traum vorkommen. Noch einmal vielen, vielen Dank!”
Clara und Paul schauen sich an und Clara drückt langsam den grünen Knopf. In Moment setzt sich mit ratternden Geräuschen das Förderband in Betrieb und ein Kopf erscheint langsam aus dem Sand. Er sieht aus wie ein Seemonster! Ganz langsam kommt es immer mehr zum Vorschein und wird über das Förderband nach draußen ins Meer transportiert.
Clara und Paul fassen sich an den Händen und gehen gemeinsam, das Funkgerät festgehalten zum Ausgang.
Es ist dunkel geworden, klarer Himmel, frische Brise und die Möwen schreien, das Meer rauscht leise und es ist ihnen als hören sich ganz weit entfernt ein paar glücklichen Juchzlaute ….